Was hat eine Murmelbahn mit einem Page-Builder zu tun?

Page-Builder Nachteile: Laptop auf dem Beistelltisch neben Sofa

Mein Sohn hat eine Murmelbahn.

So eine Neumodische, die sich einfach zusammenlegen lässt. Ja legen nicht stecken. Es ist total einfach, damit schnell eine Murmelbahn zu bauen. Es gibt etliche Erweiterungen, da erstellt der Hersteller regelmäßig neue.

Mein Sohn baut sich seine Murmelbahn auf, ruft mich und will sie mir demonstrieren. Es passiert immer das Gleiche. Die Kugel rollt los, mein Sohn stellt fest, da muss er noch was präparieren und zack stürzt ein Teil zusammen.

So geht, das ein paar mal, bis die Kugel dann endlich im Ziel ist. Was das mit einem Page-Builder zu tun hat? Das wirst Du nach dem Artikel sofort verstehen.

Was ist ein Page-Builder?

Ein Page-Builder ist ein Plugin. Wenn Du ihn installierst, ersetzt es im Regelfall den normalen Gutenberg-Editor von WordPress. Also den Editor, wo Du Deine Texte eintippst.

Zumeist arbeitest Du dann im Frontend (also in der Webansicht, die jeder sieht) und kannst per Drag’n’Drop Deine Website gestalten. Du siehst sofort das Ergebnis.

Das klingt wie ein Traum. Einzelne Elemente einfach an ihren Platz ziehen, Text rein, das ganze sofort sehen und fertig. Wie Du jetzt merkst, haben solche Vorteile auch Nachteile, wie die Murmelbahn.

Brauche ich dann noch ein Theme?

Ja, das Theme ist das Grundgerüst, ohne Theme geht nichts. Das Theme stellt Deine Inhalte dar. Mit einem Page-Builder reicht meist das Standard-Theme von WordPress, da Du ja eh alles beliebig verschieben kannst.

Falls Du doch ein gutes Theme willst, empfehle ich das Astra Theme*. Es ist das schnellste und leichteste Theme von allen und kompatibel mit den gängigsten Page-Buildern. Meine Website ist ebenfalls mit dem Astra Theme erstellt (Spoiler: ohne Page-Builder).

Welche Page-Builder gibt es?

In der Regel kannst Du jeden Page-Builder mit jedem Theme nutzen. Es gibt ein paar Ausnahmen, auf die will ich nicht weiter eingehen. Hier die üblichen Page-Builder:

Warum ich Dir von Page-Buildern abrate?

Damit schwimme ich absolut gegen die Maße, die meisten werden Dir davon schwärmen. Die meisten sind auch keine Entwickler:innen und haben null Ahnung, was im Hintergrund passiert.

Ich versuche Dir sehr einfach zu erklären, warum ich Dir davon abrate. Und warum sowas überholt ist und sich eine schöne Website einfach erstellen lässt – ohne Schnickschnack. Den mag eh kein Besucher:in (das lässt sich testen, sehr spannend was da rauskommt).

Du baust Deine Website für Deine Kundschaft, nicht für Dich.

Kuddelmuddel statt klare Linie

Wenn mein Sohn sich eine neue Erweiterung für die Murmelbahn aussucht, ist er erschlagen. Erschlagen von der Auswahl. Es gibt einfach zu viele und zu coole Optionen. Was passiert dann? Genau, er wünscht sich alles.

Diese Page-Builder richten sich primär an Anfänger. Sie wollen Menschen ohne Programmierkenntnisse (HTML und CSS sind keine Programmiersprachen!) das Website erstellen, leichter machen.

Das klingt so löblich und nett und genau das ist der Fehler. Wenn Du regulär keine Websites erstellst, wirst Du von der Auswahl erschlagen. Also machst Du es wie mein Sohn und nimmst alles rein.

Das Element könnte hoch hüpfen und das nächste sich von rechts reinschieben und das könnte…. Zu viel Auswahl, zu viel Ausprobieren und zu viel Kuddelmuddel. Das meiste davon, verscheucht Deine Kund:innen sogar.

Leicht ist besser als schwer

Ok. Bei der Murmelbahn ist es genau andersherum, da wäre Gewicht besser, damit die Bahn besser liegt. Es passt halt nicht jeder Vergleich mit der Murmelbahn.

Fakt ist, Websites haben ein Datengewicht. Zum Glück keine Gefühle, was Du da alles reinstopfst. Aber nun gut. Das Gewicht einer Website lässt sich messen.

Meine Website wiegt aktuell: 330 kB.

Das ist sehr leicht. Du willst wissen, wie schwer Deine Website ist? Dafür gehst Du auf Deine Startseite und öffnest die Entwicklerkonsole. Bei Chrome findest Du die rechts oben auf die 3 Punkte -> Weitere Tools -> Entwicklertools oder Du drückst gleichzeitig: Strg + Umschalt + i.

In Chrome die Entwicklerkonsole öffnen

Dann gehst Du in der Konsole auf Netzwerk und lädst Deine Website neu. Jetzt kannst Du unten ablesen, wie viele Daten jedes Mal übertragen werden, wenn jemand Deine Website besucht.

Chrome Entwicklertools wie viel Daten übertragen

Je weniger Daten geschickt werden, desto schneller lädt Deine Website. Desto weniger Anfragen muss der Server entgegennehmen und schicken. Desto günstiger Dein Hoster, weil Du mit einem kleinen Webhosting-Paket auskommst. Das lässt sich so weiterführen.

Jeder Page-Builder bringt seine eigenen Daten, also Gewicht mit. Auch die, die Du gar nicht brauchst.

Langsam, langsamer, Page-Builder

Eine langsame Murmelbahn ist nicht nur langweilig, spätestens beim Looping ist Schluss. Der bringt doch die meiste Freude.

Dass eine langsame Website Müll ist, hast Du schon 100.000-mal gelesen. Und trotzdem klickst Du den Zurück-Knopf, weil die Website lahm ist – Wetten? Ich sowieso, ich warte doch nicht bis eine Website geladen ist, hallo?

Warum werden dann Page-Builder empfohlen? Wie Du eben gelesen hast, bringen die ihr eigenen Gewicht mit. Schneller wird die Website dadurch sicher nicht. Ja, es ist möglich, mit Page-Buildern eine schnelle Website zu haben. Aber nur, wenn Du wirklich Ahnung hast.

Wenn Du also weißt, was die .htaccess-Datei ist und wie Du sie auf Geschwindigkeit boostest, dann los, benutzte einen Page-Builder. Wenn Du weißt, wie Du Deine Website per HTTP2 pushen kannst, nur zur. Du weißt es nicht? In meinem Mini-Tutorial: Website beschleunigen, erkläre ich, wie das geht.

Wenn Du weißt, wie Du Bilder richtig fürs Web optimierst (nein, ein Plugin reicht nicht), dann auf installier einen Page-Builder. Wenn Du es nicht weißt und trotzdem einen Builder nutzen willst, dann hol Dir bitte Hilfe.

Semantik ist oft fehlerhaft

Semantik klingt fast wie Grammatik und hat ebenfalls Regeln. Semantik heißt übersetzt „Bedeutungslehre“. Was es damit auf sich hat, erfährst Du jetzt.

Websites bestehen aus HTML. Ich vergleiche das gerne mit Word. Du schreibst einen Text, markierst ihn und klickst auf Überschrift. So weiß Word, das ist eine Überschrift und macht sie größer und fetter, weil wichtiger.

Genauso macht das HTML. Es sagt dem Browser, welches Element was ist. Du hast einen Link gesetzt, dieser wird in HTML in a-Tags geschrieben. Tags sind die eckigen Klammern, das sieht dann so aus:

<a>Das ist ein Link</a>

Das ist unkorrekt, ich will nicht zu sehr ins Detail gehen. Das kannst Du nicht sehen und es ist trotzdem da. Diese Einteilung der Elemente sagt, dem Browser, was jedes Element genau ist: Ein Link, ein einfacher Text oder eine Bild.

Klar kannst Du Dir jetzt sagen, das sehe ich eh nicht, ist mir egal. Aber Google wird es Dir danken, wenn Du es richtig machst. Das Einteilen der Elemente spiegel die Bedeutung und Wichtigkeit wider. Eine H1-Überschrift ist wichtiger als eine H6-Überschrift. Überschriften haben Ränge 1 am wichtigsten und 6 am unwichtigsten.

Wenn Du jetzt also die wichtigste Überschrift in eine H3 quetscht, weil es Dir optisch besser gefällt. Ist das dumm, denn Google wertet diese Überschrift schlechter als Du das willst? Du hast Dich selbst ausgespielt.

Page Builder hebeln diese Regeln aus und lassen Dich Deine Website bauen, wie Du das willst. Woher soll Google jetzt wissen, welches Element wichtig und bedeutend ist und welches nicht? Das führt zum nächsten Punkt.

Für den Einstieg zu kompliziert

Mein Sohn hat ein Starterset bekommen. Zum Glück hätte ich ihm gleich alles von der Murmelbahn gekauft, hätte er schnell die Lust verloren. So konnte er sich langsam herantasten und einfach mal ein paar leichte Bahnen bauen. Mit der Zeit ist er von alleine anspruchsvoller und kreativer geworden.

Wenn Du frisch startest, dann ist jede Aufgabe erstmal schwer. Du hast noch keine Routine und fängst immer von vorne an. Da hast Du erst WordPress installierst und freust Dich, dass Du das halbwegs verstehst. Und schon soll das nächste Tool her. Wieder von vorne lernen?

Ein weiterer Grund, warum ich Dir vor Page-Buildern abrate, versteh doch erstmal die Grundfunktionen von WordPress. Am besten lernst Du auch die fortgeschrittenen Funktionen. Und erst, wenn Du darin Routine hast und Du dann an Deine Grenzen stößt. Dann kannst Du Dir überlegenen einen Page-Builder zu holen. Oder Du hast es bis dahin mit Deinem Wissen anders gelöst.

Du bist abhängig

Leider musste ich bei der Murmelbahn feststellen, sie ist nur semigut. Hätte ich mich für einen anderen Anbieter entschieden, hätte das ganze mehr Substanz gehabt. Nun ist es zu spät, wir haben soviel vom dem Zeug, dass mein Sohn sich nur das wünscht.

Das gleiche Problem wird Dir früher oder später bei Page-Buildern auf die Hände fallen. Deine Inhalte befinden sich nicht in der WordPress-Datenbank, wo sie hingehören. Nein, sie sind in der Datenbank von Deinem Page-Builder.

Du deaktivierst den Page-Builder, dann sind alle Daten weg. Einfach weg. Du machst Dich vom Anbieter abhängig. Wenn Du dann wechseln willst, musst Du jeden Inhalt manuell rauskopieren.

Kein Scherz, genau das habe ich bei der letzten Website gemacht. Weil die Inhalte in so einem tollen Page-Builder waren, kam ich nicht dran. Das ist absolut unlustig. Und je nach Beitragsanzahl (ab 50 aufwärts) wird es richtig nervig. Bester Praktikantenjob – grrrr.

Ich rate Dir also gleich davon ab. Bevor Du doch irgendwann die Schnauze voll hast, weil der Builder nicht so will wie Du. Setz lieber auf ein gutes Theme, was alles so platziert wie es soll.

Es kostet Geld – Der Schwabe in Dir

Warum für ein Plugin Geld ausgeben, was Deine Website lähmt, Dich abhängig macht und alles durcheinander bringt? Ich kann Dir keinen Grund nennen. Elementor kostet jährlich knapp 50 Euro für eine Website. Da kannst Du jetzt sagen, das ist doch billig.

Mein Theme hat einmal für lebenslang gekostet und ich bekomme Updates kostenlos. Und ich kann es für so viele Websites nutzen, wie ich möchte. Und ich bin gestalterisch ziemlich frei. Ok, ein paar Grenzen gibt es schon, aber die sind gut. Die sorgen dafür, dass Du Dich sofort zurechtfindest.

Spar Dir das Geld lieber für wichtige Plugins oder investiere es in ein gutes Coaching, um WordPress richtig kennenzulernen. Statt also in Produkte investiere lieber in Dich und Deine Fähigkeiten.

WordPress kann mehr als Du denkst

Ich glaube das Hauptproblem, warum Page-Builder empfohlen werden, weil keiner den Gutenberg-Editor richtig versteht. Den der kann viel mehr als Dir klar ist.

Meine Website ist komplett im Editor erstellt. Das geht relativ einfach, wenn Du weißt wie. Der Gutenberg-Editor kann jetzt schon sehr viel. Und der wird in Zukunft noch viel mehr können. Es ist quasi schon ein Page-Builder.

WordPress testet gerade das Site-Editing, sodass Du wie in einem Page-Builder Deine Blöcke per Klicken und Schieben positionierst. Das ist alles noch in Arbeit und wird getestet, aber es wird kommen. Und spätestens dann wird es Zeit, Page-Builder hinter sich zu lassen und lieber auf ein starkes Theme zu setzten.

Warum ich keinen Page-Builder nutzte?

Bei der Murmelbahn meines Sohnes kann ich es nicht mehr ändern. Das ist jetzt halt so. Irgendwann wird es mir reichen und ich verkaufe das ganze Teil um es in eine vernünftige zu reinvestieren. Punkt.

Ganz ehrlich, wenn keiner sieht, dass Du einen Page-Builder benutzt, dann brauchst Du auch keinen. Egal, ob Du alle genannten Gründe im Grifft hast.

WordPress ist so konzipiert, dass die Daten in der Datenbank liegen und die Optik übers Theme geregelt wird. Warum soll ich das Prinzip aushebeln?

Wenn ich WordPress beibringe, dass bestimmte Elemente eine besondere Optik haben, dann passiert das automatisch. Wenn ich mich dann mal umentscheide, kann ich das sehr schnell ändern. Bei einem Page-Builder fange ich jedes Mal von vorne an.

Überlege Dir vorher, ob Du wirklich einen brauchst. Wenn ja, teste den Anbieter vorher ausgiebig, denn Du wirst ein lebenslang bei ihm bleiben. Hinterher ändern ist verdammt viel Arbeit, vor allem wenn Du schon viele Inhalte hast.

Warum benutzt Du (k)einen Page-Builder? Schreib mir in die Kommentare.

Verwebliche Dich selbst

Deine Désirée

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